100 Jahre Annaschwestern in Kochel am See

Jubiläum zeigt die enge Verbundenheit von Ordensgemeinschaft und Gemeinde

Datum: 12. Oktober 2026, 12:11 Uhr
Michael Winter (Stv. Vorstandsvorsitzender DRW), Sr. M. Edith Schlachter CSJ (St. Josefskongregation Ursberg), Sr. Waltraud Engl (Generaloberin St. Annaschwestern) und Bürgermeister Jens Müller (v. l.) bei der Feier zum 100-Jährigen Wirken der St. Anna-Schwestern in Kochel am See Bild: Regina Hermans / DRW
Die erste Schwesterngemeinschaft in Kochel am See nach der Übernahme des ehemaligen Kurhotels im Jahr 1926.

Kochel am See / 12. Oktober 2026 – Seit 100 Jahren sind die St. Annaschwestern mit der Gemeinde Kochel am See verbunden. Über viele Jahre begleiteten sie Kinder, Jugendliche und Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen, darunter auch alleinstehende Mütter und Frauen mit psychischen Beeinträchtigungen. Heute leben in Kochel noch vier der ehemals 70 Schwestern. Das Jubiläum wurde mit einem Festakt, einem Tag der offenen Tür und einer kleinen Ausstellung gefeiert.

Die Kapelle war beim Festgottesdienst gut gefüllt. Neben Vertreterinnen und Vertretern örtlicher Vereine und ehemaligen Mitarbeitenden waren auch zahlreiche Menschen gekommen, die einst von den Schwestern betreut und begleitet wurden. Einige von ihnen verbinden sogar ihren ersten Lebenstag mit dem Ort. Sie kamen auf dem Gelände zur Welt, als sich dort ein Ausweichkrankenhaus der Stadt München mit Entbindungsstation befand.

Beim Festakt würdigte der Erste Bürgermeister Jens Müller das langjährige Wirken der Annaschwestern und ihre enge Verbundenheit mit Kochel am See: „Seit 100 Jahren sind die St. Annaschwestern ein fester Bestandteil unserer Gemeinde. Mit ihrem Wirken, insbesondere in der Betreuung und Begleitung junger Menschen, haben sie unser Ortsleben über Generationen hinweg entscheidend mitgeprägt. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute. Möge der Geist der heiligen Anna gerade in diesen schwierigen Zeiten auch in den kommenden 100 Jahren über unserem Ort und unserer Gemeinschaft wehen.“

Hoffnung und Neubeginn für Frauen in Not
Gegründet wurde die Gemeinschaft der St. Annaschwestern 1919 von Anna Adelmann in München-Thalkirchen. Dort übernahm sie die Leitung des Zufluchtsheimes für Frauen, Mädchen und Kinder.  Zur Patronin wählte sie die heilige Anna, die Schutzpatronin der Mütter und schwangeren Frauen. 1922 ließ sie sich gemeinsam mit gleichgesinnten Frauen unter dem Namen „St. Annaschwestern e. V. München“ in das Vereinsregister eintragen. 1926 erwarb die Gemeinschaft das Kurhotel in Kochel am See und eröffnete dort ein katholisches Heilerziehungsheim. Bereits 1927 eröffneten die Schwestern einen Kindergarten für die Gemeinde Kochel und betrieben diesen bis 1993. Es entstanden eine Volksschule, eine Berufsschule und Lehrwerkstätten, um den Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Als 2004 die letzte volljährige gewordene Jugendliche aus dem Betreuten Wohnen entlassen wurde, widmeten sich die verbliebenen Schwestern weiterhin der Pflege und Instandhaltung des Klosters sowie der Kontaktpflege zu ihren ehemaligen Bewohnerinnen. Über 3000 junge Menschen wurden von den Annaschwestern durch schwierige Zeiten begleitet.

Zustiftung an das Dominikus-Ringeisen-Werk
2016 wurden die Gebäude und Grundstücke an das Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) gestiftet. Die kirchliche Stiftung begleitet rund 5.500 Menschen mit Behinderung an über 30 Orten in Bayern. In Kochel am See leben derzeit Menschen mit Unterstützungsbedarf im Ambulant Betreuten Wohnen. Auch der Montessori-Kindergarten befindet sich weiterhin auf dem Gelände der Schwestern und profitiert von den großzügigen Außenanlagen. „Die Annaschwestern haben in Kochel am See über 100 Jahre gewirkt. Wir freuen uns, dass diese Verbundenheit bis heute besteht und das Dominikus-Ringeisen-Werk Teil dieser Geschichte ist“, sagt Michael Winter, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Dominikus-Ringeisen-Werks.

Den Abschluss des Jubiläums bildete der Tag der offenen Tür. Eine kleine Ausstellung gab Einblicke in das Wirken der Annaschwestern und ihre Geschichte in Kochel am See. Besucherinnen und Besucher konnten das Gelände kennenlernen und mit ehemaligen Mitarbeitenden sowie weiteren Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern der Schwestern ins Gespräch kommen.

Mehr Informationen zu den St. Annaschwestern: www.st-annaschwestern-kochel.de

Text: Petra Nelhübel

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