Vom Zauber einen Schatz zu finden

Das Lagerhaus kost-bar schenkt Alltagsgegenständen die Chance auf ein zweites Leben

Datum: 30. September 2026, 12:39 Uhr
Kevin Uhl, Maria Rotter-Kinzel und Marco Schilling (v. l.) sind das Freitags-Team wenn das Lagerhaus kost-bar seine großen Tore öffnet.

Ursberg / 30. September 2026 / Das Lagerhaus kost-bar im Herzen des Dominikus-Ringeisen-Werkes (DRW) in Ursberg hat gleich mehrere wichtige Funktionen. Hier kann jeder Mensch gut erhaltene und ungenutzte oder nicht mehr benötigte Alltagsgegenstände abgeben. Hier kann aber auch jeder kramen, stöbern und Dinge finden, um sie dann für günstiges Geld nach Hause zu tragen. Das erwirtschaftete Geld kommt Menschen mit Behinderung und Projekten des DRW zugute. Zweimal wöchentlich, immer Dienstag und Freitagnachmittag sorgen Minijobber und ehrenamtliche Mitarbeiter dafür, dass der Laden läuft und es immer wieder Neues zu entdecken gibt. 

Goldene Staubkörnchen tanzen träge in der Luft des ehemaligen Heustadels. Sie umtanzen die kleinen Nippesfigürchen in der Vitrine, den elektrischen Eierkocher im Regal daneben und den Herrn, der gerade Geld in die Spendenkasse am Tresen steckt. Glücklich über seine Fundstücke, silberne Pillendöschen in Form von Wildenten, zieht er ab. Wer erst einmal die steile Rampe, die zum Lagerhaus kost-bar führt, geschafft hat, betritt einen Mikrokosmos voller einst geliebter Gegenstände: Teller, Gläser, Tassen, die vormals an festlichen Tafeln zum Schmausen luden, Brettspiele und Puzzles, um die sich einst einmal fröhliche Spieler versammelten, Handtaschen, Broschen, Schlittschuhe und Vasen – lauter Dinge, die früher ein Leben bereicherten, es glücklicher, bequemer oder ganz einfach schöner gemacht haben. Jetzt warten sie, frisch poliert und nach Kategorien sortiert auf ihren nächsten Besitzer. Schlendert man weiter in die Tiefe des langgestreckten Gebäudes weitet sich der Raum und gibt den Blick frei bis in den Dachfirst. Gute 12 Meter hoch wurde hier in der Vergangenheit Heu und Stroh gelagert. Zu einer anderen Zeit zogen über die roh gezimmerten Dielenbretter sogar die Brauereipferde samt angehängter Kutschen. 

Kreative Optimisten mit einem besonderen Blick auf die Welt

Jetzt gruppieren sich Polstersessel und Stühle mit kunstvoll gedrechselten Beinen um kleine Tischchen, aufgearbeitete Fahrräder stehen neben robusten Schränken und warten auf neue Besitzer. Phantasie, Kreativität und Geschick schaden nicht, wenn man ein echter Schnäppchenjäger sein will. Rosi Brückner, Referentin Spenden und Fundraising, weiß von einem Mann, der aus einem alten Pflegebett mit hydraulischer Höhenverstellung eine Hebebühne für sein Motorrad gebaut hat: „Upcycling ist hier das Zauberwort. Dabei bekommt die Phantasie Flügel und aus einer alten Kabeltrommel wird ein Tisch, aus ausrangierten Koffern ein Kunstobjekt und aus ausgedienten Regalbrettern eine stylische Garderobe. Unsere Kunden sind mitunter kreative Optimisten mit einem besonderen Blick auf die Welt.“ Einer der ebenfalls einen besonderen Blick auf die Welt hat ist Kevin Uhl (31). Er wohnt im DRW und arbeitet unter der Woche in der Küche der Werkstätte St. Wolfhardt. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Lagerhaus kost-bar kann er seine handwerklichen und gestalterischen Talente hier zum Einsatz bringen. „Es gibt wenig, was der Kevin hier nicht reparieren und anschließend schön in Szene setzen kann“, sagt Maria Rotter-Kinzel (64). Sie war vor ihrem Ruhestand im Sekretariat der Franz von Sales-Schule tätig, arbeitet nun einmal wöchentlich im Lagerhaus. Für sie ist Kevin Uhl ein wertvoller Assistent, sagenhaft strukturiert und mit einem Gespür dafür, was sich zu reparieren lohnt und was nicht mehr zu retten ist. Dafür hat er extra einen Anhänger für sein Fahrrad gebaut. Regelmäßig transportiert er darin Unbrauchbares zum Wertstoffhof oder Fundstücke ins Lagerhaus kost-bar. Er sagt von sich selbst: „Ich tüftle mich gerne in Dinge hinein und freue mich, wenn ich sie wieder zum Laufen bringe. Ich unterhalte mich gerne mit den Kunden hier und schau, dass alles schön ordentlich aussieht. Am Abend weiß ich dann, dass ich was geschafft habe. Das gefällt mir.“ Von dem, was im Lagerhaus kost-bar gegen eine Spende den Besitzer wechselt, profitieren am Ende noch weitere Menschen. Die Einnahmen fließen zurück in die Einrichtung, zu Projekten, Klienten und Bewohnern. Auch die Klienten selbst gehören zu den gern gesehenen Stöberern und Schatzsuchern, wenn sie gegen geringes Geld eine neue CD oder ein Brettspiel erwerben können. So entsteht ein Kreislauf, der vielleicht den besonderen Charme des Lagerhaus kost-bar ausmacht. Dinge werden weitergegeben, das Geld fließt zurück in neue Projekte und manches, das auf den ersten Blick vielleicht bereits ausgedient hatte, bekommt durch eine gute Idee eine ganz neue Bestimmung. Denn zum Schatz wird nicht unbedingt, was besonders kostbar aussieht.  Manchmal braucht es nur einen zweiten Blick und etwas Phantasie und jemand der erkennt, was sich aus einem alten Stück noch machen lässt.

Das Lagerhaus ist jeden Dienstag von 11 bis 16 Uhr sowie jeden Freitag von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Sachspenden können während der Öffnungszeiten abgegeben werden.

Angenommen werden ausschließlich saubere, vollständige und intakte Sachspenden, die sich in einem gebrauchsfähigen Zustand befinden. Großmöbel sowie Geschirr (Teller, Tassen, Gläser) können derzeit nicht angenommen werden. 

Bei größeren Gegenständen oder umfangreicheren Spenden ist eine telefonische Voranfrage unter 01578/3926710 erforderlich.

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