Zwischen Herzschlag, Holzkunst und Hightech

„Schichtwechsel“: Bei der Aktion "Schichtwechsel" tauschten Menschen mit und ohne Behinderung ihren Arbeitsplatz und erlebten Krankenhausalltag, echtes Handwerk und beeindruckende Industrietechnik aus nächster Nähe

Datum: 25. September 2026, 9:34 Uhr
Sortimo International GmbH, Zusmarshausen
Holzschnitzereien Haiß, Thannhausen
Ringeisen-Gymnasium, Ursberg
Zimmerei Dornmair, Neuburg a. d. Kammel
Sortimo International GmbH Zusmarshausen
Bezirk Schwaben
Stadt Krumbach
Schichtwechsel in den Dominikus-Ringeisen-Werkstätten, Ursberg
Freiwillige Feuerwehr Krumbach
Sortimo International GmbH, Zusmarshausen
Kreiskliniken Günzburg-Krumbach

25. September 2026 / Beim bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) wechseln Menschen mit und ohne Behinderungen für einen Tag ihren Arbeitsplatz: Beschäftigte aus Werkstätten lernen Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes kennen, während Mitarbeitende aus Unternehmen Einblicke in die Arbeit von Werkstätten erhalten. Ziele sind Begegnungen auf Augenhöhe, neue berufliche Erfahrungen und der Abbau von Vorurteilen.

Das Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) beteiligte sich 2026 zum dritten Mal an der Aktion. Rund 20 Beschäftigte aus den Dominikus-Ringeisen-Werkstätten erhielten einen Einblick in ganz unterschiedliche Unternehmen, Institutionen und Einrichtungen und präsentierten ihren Tauschpartnerinnen und Tauschpartnern im Gegenzug ihren Arbeitsplatz in den Dominikus-Ringeisen-Werkstätten.

„Wir sind beide im künstlerisch-kreativen Bereich tätig und waren somit ein echtes Dreamteam“, sind sich Christine Neumayer aus der Schreinerei Ursberg und Simone Haiß von der Holzschnitzerei Haiß in Thannhausen einig. Während Christine Neumayer an ihrem Schichtwechseltag in Thannhausen Schaufenster dekorieren und in der Krippenabteilung für die kommende Weihnachtssaison neue Ware auspacken durfte, konnte sie Simone Haiß in der Schreinerei des DRW am nächsten Tag zeigen, wie sie dekorative Blumenmuster auf die in der Ursberger Schreinerei hergestellten Vogelhäuschen malt.

Evans Noulekoun, Logistiker bei Sortimo Fahrzeugeinrichtungen in Zusmarshausen, zeigte sich beeindruckt von Claudia Neumayer vom Zentrallager des DRW: „Sie war so interessiert, hat viel gefragt und konnte supergut umsetzen, was ich ihr erklärt habe. Jetzt bin ich sehr gespannt, was mir Claudia hier im DRW zeigt.“

Volkmar Thumser, Bezirksrat und Beauftragter für Menschen mit Behinderung und Inklusion, nahm seinen Arbeitsplatz im Berufsbildungsbereich des DRW an der Kniehebelpresse ein. Einen Vormittag lang stellte er dort Verschlusskappen für Silikontuben her. Er ist überzeugt: „Es ist so wichtig, dass dieser Austausch im Rahmen der Aktion Schichtwechsel stattfindet. So werden Vorurteile abgebaut und ein Austausch auf Augenhöhe kann stattfinden.“

Krumbachs Bürgermeister Florian Kaida fand im Montagebereich der WfbM St. Wolfhard eine Aufgabe im Controlling: „Ich muss hier bis 75 zählen und nachprüfen, ob exakt so viele Kleinmontageteile auf einer Schiene angebracht sind. Hier im DRW wird Vielfalt erlebbar und Berührungsängste werden abgebaut. Es ist auch wichtig zu sehen, was anderswo geleistet wird.“ Am Vortag hatte er Markus Lusseni im Krumbacher Rathaus zum „Bürgermeister für einen Tag“ befördert und Einblicke in die Verwaltung der Kommune ermöglicht.

Auch die Kreiskliniken Krumbach-Günzburg nahmen am Schichtwechsel teil. „An unseren beiden Arbeitsplätzen sind Sauberkeit, Hygiene und Genauigkeit wichtig. Deshalb haben wir uns super verstanden“, sagt Christina Maucher über Vanessa Wilmy von der Ursberger Wäscherei. Christina Maucher ist Fachbereichsleitung für Pflege im Krankenhaus Krumbach und dabei auch zuständig für die gerade entstehende Station für Interdisziplinäre Somatische Inklusionsmedizin, kurz ISI. Dort werden ab Januar 2027 speziell Patientinnen und Patienten mit besonderem Hilfebedarf behandelt.

Katharina Carapezza, Lehrerin und Mitglied der Schulleitung am Ringeisen-Gymnasium Ursberg, bereitete mit Tauschpartner Ismet Sekizli eine Englischstunde für die 5. Klasse vor. Für Ismet Sekizli eine neue Erfahrung: „Ich mache gerne beim Schichtwechsel mit, um etwas Neues kennenzulernen.“ Auch Carapezza schätzt den Blick über den Tellerrand: „Man kann bei dieser Aktion nur dazulernen, sie ist für beide Seiten ein Gewinn. Deshalb beteiligen wir uns gerne bereits zum zweiten Mal am Schichtwechsel.“

Eine ganze Gruppe der Dominikus-Werkstätten erhielt bei der Freiwilligen Feuerwehr Krumbach einen Einblick inklusive Bewegungsfahrt mit den Einsatzfahrzeugen. Am Folgetag informierten sich Kommandant Matthias Vogel und Gerätewart Thomas Schmidt in der Schreinerei Ursberg.

Simon Reitmeier, der im Baubetrieb des DRW tätig ist, durfte mit Jonas Dornmair von der gleichnamigen Zimmerei aus Neuburg an der Kammel hoch hinaus. Auf einer Baustelle in Krumbach arbeiteten beide gemeinsam an der Sanierung eines Dachstuhls. Für Simon Reitmeier eine beeindruckende Erfahrung: „Ich würde gerne den Beruf des Zimmermanns lernen, der Tag heute hat mir sehr gut gefallen.“

Bereits mehrfach war der Burtenbacher Trailerhersteller Kögel beim Schichtwechsel mit dabei. Seit vielen Jahren arbeitet das Unternehmen mit den Dominikus-Ringeisen-Werkstätten zusammen. Manuel Schantini konnte gemeinsam mit Unternehmenssprecherin Isabell Unseld die in Ursberg montierten Komponenten an den fertigen Trailern entdecken: „Ich fand den Tag bei Kögel interessant und spannend. Ich konnte mitverfolgen, wie ein Auflieger vom Anfang bis zum Ende entsteht – und dass unsere kleinen Teile wichtig für einen großen Trailer sind.“

Werner Tyrychter, Leiter der Integrationsbegleitung der Dominikus-Ringeisen-Werkstätten, sieht im „Schichtwechsel“ einen Gewinn für beide Seiten: „Der bundesweite Aktionstag macht sichtbar, welche Fähigkeiten Menschen mit Behinderungen in das Arbeitsleben einbringen. Außerdem sensibilisiert er Betriebe, Einrichtungen und deren Mitarbeitende für das Thema Inklusion und die Belange von Menschen mit Behinderungen.“

Bundesweit ist die Aktion in den vergangenen Jahren stark gewachsen: 2025 beteiligten sich rund 370 Werkstätten und insgesamt 4.800 Menschen.

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