Aus München für Ursberg: Schwäbischer Integrationspreis für „Take my hand“

Der Verein bietet ein Mentorenprogramm für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine, die seit 2022 vom Dominikus-Ringeisen-Werk begleitet werden. Dieses Engagement soll nun ausgeweitet werden

Datum: 14. November 2023, 11:48 Uhr
Die Arbeit geht weiter: Unterzeichnung des neuen Vertrages für ein weiteres Jahr mit Julia Beisenov (3. v. links) sowie Heimleiterin Viktoria Putina (2. v. rechts)
Geflüchtete aus der Ukraine, Vertreterinnen des Vereins „Take my hand“ sowie des Dominikus-Ringeisen-Werks bei der Preisverleihung in Augsburg
Julia Beisenov erhält aus den Händen des Innenstaatssekretärs Sandro Kirchner die Urkunde des Integrationspreises 2023 der Regierung von Schwaben.

Augsburg/Ursberg/ 14. November 2023 – Der Integrationspreis der Regierung von Schwaben geht in diesem Jahr an „Take my hand“ aus München. Der 1. Vorstand des Vereins Julia Beisenov nahm die Urkunde der mit 1.000 Euro dotierten Auszeichnung am 10. November aus den Händen von Sandro Kirchner, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, entgegen. Laudatorin war Regierungspräsidentin Barbara Schretter. Seit einem Jahr engagieren sich 15 ehrenamtliche Mentoren von „Take my hand“ in Ursberg (Landkreis Günzburg) für 15 geflüchtete Kinder aus der Ukraine. Mehr als 80 junge Menschen mit Behinderung mussten im April 2022 kriegsbedingt aus ihrem Kinderheim in Krywyj Rih evakuiert werden. Ein neues Zuhause fanden sie beim Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg.

Die Mentoren bauen eine respekt- und liebevolle Beziehung zu den Geflüchteten auf und verbringen mindestens einmal in der Woche Zeit zum Spielen, Vorlesen, Malen oder Spazierengehen mit ihnen. Bei diesem Projekt gehe es um die Beziehung von Mensch zu Mensch und um den Aufbau einer Freundschaft, so Julia Beisenov. Der Verein wolle die jungen Ukrainer auf dem Weg der Integration begleiten. Fast alle Mentoren werden ein weiteres Jahr in Ursberg dranhängen. Ein entsprechender Vertrag wurde nach der Preisübergabe in Augsburg unterzeichnet. Darüber hinaus werde „Take my hand“ im kommenden Jahr weitere Mentoren ausbilden und freue sich auf Bewerbungen aus dem Landkreis Günzburg, so Beisenov.

Beisenov richtete ihren Dank im vollbesetzten Rokokosaal der Regierung von Schwaben in Augsburg an ihr Team und die Mentorinnen, von denen einige regelmäßig sogar aus München nach Ursberg anreisen. Ihr Dank ging außerdem an Heimleiterin Viktoria Putina und das Dominikus-Ringeisen-Werk, die das Engagement des Vereins erst ermöglicht hätten. Putina war mit einer kleinen Abordnung von ukrainischen Kindern und Jugendlichen sowie mit Vertretern des Dominikus-Ringeisen-Werks ebenfalls vor Ort. Vor allem aber, so Beisenov, sei sie stolz auf die Kinder und Jugendlichen selbst, die „mit so viel Mut ihr Schicksal meistern“.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass das Wichtigste, das die Kinder brauchen, Liebe, Fürsorge und das Gefühl ist, für jemanden wichtig zu sein“, sagte Julia Beisenov. „Diese Kinder haben ein ganz besonders schweres Päckchen zu tragen.“ Die teils schwerstbehinderten Kinder und Jugendlichen seien „seit ihrer Geburt mehrfach traumatisiert, haben den Verlust der Familie erlebt, lebten in einem Heim und flohen vor dem Krieg. Sie mussten in einem neuen, fremden Land ankommen.“ Das sei „ein riesiger Stress“ für die Kinder gewesen. „Wir erlebten es im Laufe des Projekts, wie die Kinder wie Blumen aufblühen und wie echte Freundschaften zwischen den Mentoren und den Kindern entstehen.“ Die Leiterin des Heims, Viktoria Putina stimmte ihr zu: „Die Zusammenarbeit mit ‚Take my hand‘ war von Anfang an ein großer Gewinn für unsere Kinder. Durch die zusätzliche individuelle Betreuung, die durch das Personal in diesem Umfang nicht immer möglich ist, konnten sich die Kinder schneller an die neue Situation gewöhnen und sind in ihrer Persönlichkeit schnell gewachsen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.“

Auch für das DRW-Vorstandsmitglied Josef Liebl steht fest: „Das ist ein ganz herausragendes ehrenamtliches Engagement, das zu recht ausgezeichnet worden ist. Danke an alle Mentorinnen und Mentoren, die sich hier zur Verfügung stellen. Wir im Dominikus-Ringeisen-Werk sind wirklich froh über diese Unterstützung und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Frau Beisenov und ihrem Team.“

Die Preisträger 2023

Für 2023 wurden sieben Initiativen mit dem Integrationspreis der Regierung von Schwaben geehrt. Fünf bekamen jeweils 1.000 Euro Preisgeld, zwei Einzelinitiativen jeweils 500 Euro. Neben „Take my hand“ kommen die weiteren Preisträger aus Augsburg („Deutsch-Café“) und Kempten („Dolmetscherpool“) sowie aus den Landkreisen Dillingen („Binswangen hilft!“), Ostallgäu („teapoint Buchloe“) und Lindau (Einzelinitiativen „Hilfe von Flüchtlingen für Flüchtlinge“ sowie „Herbergsmutter“). 

„Take my hand . V.“ im Internet

Das Dominikus-Ringeisen-Werk

In den bayerischen Regierungsbezirken Schwaben, Unterfranken und Oberbayern an über 30 Standorten begleitet das Dominikus-Ringeisen-Werk zurzeit ca. 5.000 Menschen mit einer geistigen Behinderung, mit Lernbehinderung, mit mehrfacher Behinderung, mit Sinnesbehinderung, Autismus, erworbener Hirnschädigung, psychischer Erkrankung sowie Menschen im Alter. Am Standort Ursberg, dem Stammsitz der kirchlichen Stiftung, leben ca. 900 Menschen mit Behinderung. Über 4.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für das Dominikus-Ringeisen-Werk tätig.

 

 

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