Ursberg / 14. September 2026 – Über 110 Motorräder, Trikes, Quads, Gespanne und Oldtimer waren am vergangenen Sonntag bei der traditionellen Motorradausfahrt für Menschen mit Behinderung zu Gast in Ursberg. Bei bestem Wetter stand eine Ausfahrt ins Unterallgäu auf dem Programm. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW) ist die Veranstaltung das Highlight des Jahres. Auch für Andreas Poblotzki. Der 46-Jährige lebt im Dominikus-Ringeisen-Werk und ist seit Kindertagen fasziniert von Motorrädern. Dass er im Rollstuhl sitzt, ist an diesem Tag eher Nebensache. Kurzerhand und mit Hilfe mehrerer Bikerinnen und Biker wird er in den Beiwagen einer BMW-Maschine gehoben. Weil dort ausreichend Platz ist, kann sogar noch seine Mutter Luise Platz nehmen. Für die nächsten 90 Minuten genießen die beiden eine Motorradtour durch Mittelschwaben.
Jahrelange Freundschaften
Begonnen hat die Aktion bereits am Vortag. Da bekamen Andreas, Luise und über 70 weitere Mitfahrerinnen und Mitfahrer ihre Motorradausrüstung überreicht: Helm, Jacke oder Lederkombi – je nach Größe und passend zum Gefährt. Dass bei der großen Ausfahrt alle Mitfahrenden ein passendes Fahrzeug haben, bedeutet einen großen logistischen Aufwand. Diese Aufgabe übernehmen seit vielen Jahren Inge Kandziora und ihre Familie gemeinsam mit zahlreichen Helferinnen und Helfern. Sie engagieren sich ehrenamtlich im Dominikus-Ringeisen-Werk und sorgen dafür, dass jedes Jahr zahlreiche Fahrerinnen und Fahrer mit ihren Gefährten nach Ursberg kommen. Die Bikerinnen und Biker nehmen dabei teils weite Strecken in Kauf, um Menschen mit Behinderung eine Freude zu bereiten. Über die Jahre sind Freundschaften entstanden – und beim jährlichen Wiedersehen in Ursberg fließt auch die eine oder andere Freudenträne.
Auch die Polizei ist mit dabei
Nachdem alle Mitfahrenden auf die Fahrzeuge verteilt sind, setzt sich die Kolonne mit röhrenden Motoren und unter lautem Hupen in Bewegung. In diesem Jahr führt die Tour über Mindelzell und Hasberg nach Pfaffenhausen. Zurück geht es über Mörgen, Kirchheim und Haselbach. Für die Sicherheit auf der Strecke sorgen neben der Schwestern- und Werkfeuerwehr des DRW und den ehrenamtlichen Motorrad-Streckenposten auch Polizeihauptkommissar Stefan Jungwirth von der Verkehrspolizei Günzburg auf seinem Polizeimotorrad. Als die ersten Fahrzeuge rund 90 Minuten später wieder in Ursberg ankommen, gibt es viele strahlende Gesichter.
Ehrenamtliches Engagement
„Geil war’s“, sagt auch Inge Kandziora. Nach mehr als 20 Jahren war es die letzte Ausfahrt unter ihrer Organisation. Willi Engel vom Fachdienst der teilnehmenden Wohneinrichtungen St. Florian und St. Irmina dankte Kandziora und ihren Helferinnen und Helfern für ihr langjähriges Engagement: „Ihr habt dieses Event mit ganz viel Herzblut, Liebe und Ehrenamt organisiert. Euer Ziel war es immer, Freude zu vermitteln. Das ist euch gelungen – bei den Fahrerinnen und Fahrern, bei den Mitfahrenden und beim Organisationsteam. Dafür sagen wir herzlich Danke.“