Ursberg / 25. März 2026 – Es kann jeden Menschen treffen: Kommt es durch einen Unfall, einen Schlaganfall oder andere Ereignisse zu einer Schädigung des Gehirns, verändert sich das bisherige Leben von einer Sekunde auf die andere ganz radikal. Beim Fachtag „Und morgen kann ich es sein!“ des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW) in Ursberg informierten sich rund 140 Teilnehmende in Vorträgen, Workshops und der begleitenden Fachmesse. Pro Jahr sind mehrere Tausend Menschen in Deutschland davon betroffen. Umso wichtiger sind geeignete Unterstützungsangebote für Betroffene, die oft über Jahre oder lebenslang auf Hilfe angewiesen sind. Das DRW hat diesen Bedarf, sowie die Förderchancen, die mit den Konzepten der Eingliederungshilfe möglich sind, früh erkannt und bietet bereits seit 2009 spezielle Angebote für diesen Personenkreis an.
Ulrich Süß, der selbst betroffen ist, berichtete beim Fachtag gemeinsam mit seiner Mutter Birgit in einem Workshop eindrücklich von seinem Lebensweg. Vor zehn Jahren verlor der heute 32-Jährige nach einem missglückten Drogenexperiment sein Bewusstsein und lag zweieinhalb Tage in seinem Studentenzimmer, bevor er gefunden wurde. Infolge der schweren Hirnschädigung war er zunächst nicht mehr in der Lage zu sprechen, zu schlucken, sich zu bewegen oder zu sehen. Mit großer Geduld, zahlreichen Herausforderungen und mit beeindruckendem Lebensmut arbeitet er seither daran, sich Schritt für Schritt ein möglichst selbstständiges Leben zurückzuerobern.
Zahl der Betroffenen steigt
Begleitet wird er unter anderem von Franziska Laure-Miller, Leiterin des Fachbereichs „Erworbene Hirnschädigung“ im DRW, die den Fachtag gemeinsam mit der Abteilung Fortbildung initiiert hat. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen fundierte Fachvorträge und praxisnahe Workshops. Expertinnen und Experten beleuchteten medizinische, therapeutische und sozialpädagogische Aspekte – und machten deutlich, wie komplex die Folgen einer Hirnschädigung sind und wie individuell Unterstützung gestaltet werden muss.
Franziska Laure-Miller zeigte sich erfreut über das große Interesse: „Die Zahl der Menschen mit erworbener Hirnschädigung in Deutschland nimmt zu. Dank medizinischer Fortschritte überleben heute mehr Menschen schwere Unfälle oder Erkrankungen und benötigen anschließend gezielte Unterstützung. Hier beginnt unsere Verantwortung.“
Angebote zur Entlastung von Familien
Im DRW habe man diesen Bedarf früh erkannt. Mit dem Haus Anselm entstand vor rund 15 Jahren in der Krumbacher Brunnenstraße das erste spezialisierte Wohnangebot. Heute werden im DRW rund 110 Menschen mit erworbener Hirnschädigung in unterschiedlichen Wohnangeboten in Krumbach, Ursberg und Meitingen begleitet. Zusätzlich bieten Werk- und Förderstätten Arbeitsmöglichkeiten, die den Alltag strukturieren und Teilhabe ermöglichen. „Insbesondere diese Angebote können im Familienalltag eine Entlastung bewirken, wenn die betroffene Person weiterhin zu Hause lebt und stundenweise eine Förderstätte oder Werkstatt besucht“, sagt Franziska Laure Miller.
Training für ein möglichst selbstständiges Leben
Neben Fachlichkeit und Professionalität ist für sie vor allem der menschliche Umgang entscheidend: „Hinter jeder Diagnose steht ein Mensch, mit Brüchen und Verlusten, aber auch mit Fähigkeiten und Ressourcen. Vor allem mit dem Wunsch, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten.“ Diesen Weg geht auch Ulrich Süß weiter. Nach vier Monaten im Therapiezentrum Burgau, wo er langsam aus dem Wachkoma erwachte, wurde er mehrere Jahre im Isabella-Braun-Pflegeheim in Jettingen betreut. Heute lebt er im Dominikus-Ringeisen-Werk im ehemaligen Hotel „Grüner Baum“ in Niederraunau in einem eigenen Trainings-Apartment mit dem Ziel, seine Selbstständigkeit weiter auszubauen. Für seine Mutter ist das ein wichtiger Schritt: „Wir werden älter – und unser Ziel ist es, dass Uli möglichst selbstständig leben kann.“ Der Fachtag hat deutlich gemacht, wie wichtig verlässliche Strukturen, fachliche Kompetenz und ein starkes Netzwerk sind. Das Dominikus-Ringeisen-Werk will diesen Weg auch künftig weitergehen, gemeinsam mit Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften sowie dem Hauptkostenträger Bezirk Schwaben.
Angebote für Menschen mit erworbener Hirnschädigung im Dominikus-Ringeisen-Werk:
- Stationäre Wohnplätze stehen in Krumbach, Niederraunau, Ursberg und Meitingen zur Verfügung.
- An unterschiedlichen Standorten gibt es Werk- und Förderstätten, die eine Tagesstruktur bieten. Diese können auch unabhängig von einem Wohnplatz genutzt werden.
- Es gibt eine Altersgrenze für die Aufnahme: Das hirnschädigende Ereignis muss vor dem 60. Lebensjahr eingetreten sein, dann ist eine Aufnahme bis zum Alter von 65 Jahren möglich.
Kontakt Referat Anfragekoordination und Beratung:
Telefon: 08281 92-2022
Mail: anfrage-beratung@drw.de