379 Namen gegen das Vergessen

Dominikus-Ringeisen-Werk und St. Josefskongregation gedenken der Opfer der "NS-Euthanasie"

Datum: 27. Januar 2026, 13:24 Uhr
Schülerinnen und Schüler von Ringeisen-Gymnasium und Dominikus-Schule erinnerten am Gedenkort im Ursberger Klostergarten an das Schicksal der Opfer der "NS-Euthanasie"
Der Gedenkort "Wiederkehr des Rosengartens" am Bezirkskrankenhaus Günzburg erinnert an die Verbrechen der Nationalsozialisten an Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen.

Ursberg/Günzburg / 27. Januar 2026 / 379 Menschen die während des NS-Regimes im Dominikus-Ringeisen-Werk gepflegt und betreut wurden, fielen der menschenverachtenden Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten zum Opfer. Am 27. Januar, dem bundesweiten Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gaben die Schwestern der St. Josefskongregation, Bewohner und Mitarbeitende des Dominikus-Ringeisen-Werks sowie die Schülerinnen und Schüler des Ringeisen Gymnasiums und der Dominikus-Schule dem Erinnern einen Raum. Mit einer Kranzniederlegung und dem Verlesen der Namen aller 379 ermordeter Menschen wurde jedem einzelnen Opfer gedacht.

Einer von ihnen war Anton Lettenmayr, geboren im April 1901 in Kottern bei Kempten. Er war gehörlos und galt im Sprachgebrauch der damaligen Zeit als „schwachsinnig“. 1919 kam er nach Ursberg. Die Unterlagen aus der damaligen Zeit beschreiben Lettenmayr, der in der Landwirtschaft der St. Josefskongregation tätig war, als „zugänglich und freundlich.“

Deportiert am Nikolaustag

In Maria Bildhausen, einer Filiale der St. Josefskongregation in Unterfranken, wo er ab 1929 lebte, wurde er aufgrund einer Entscheidung des Erbgesundheitsgerichts Schweinfurt, in Würzburg zwangssterilisiert. Am 6. Dezember 1940 wurde er von den Nationalsozialisten in Maria Bildhausen abgeholt und nach Günzburg in die dortige Heil- und Pflegeanstalt verbracht. Mit ihm wurde auch Leonhard Hiller aus Heidenheim nach Günzburg zwangsumquartiert. Geboren im Juni 1896, lebte er seit seinem 14. Lebensjahr im Sankt-Gallus-Haus der Stiftung Liebenau und übersiedelte im Juli 1924 ins DRW nach Ursberg. Dort arbeitete er in der Landwirtschaft und auf dem Holzplatz. Sein Todesdatum ist mit dem 1. März 1941 angegeben. Anton Lettenmayer starb am 19. November 1941.In der Heil- und Pflegeanstalt Günzburg wurden Patiententötungen im Rahmen der „dezentralen Euthanasie“ durch Injektion von Medikamenten, Hungerkost und Vernachlässigung begangen.

 "Erinnerung wach halten"

 Heute erinnert ein Mahnmal auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses Günzburg an die Menschen, die aufgrund einer Behinderung oder einer psychischen Erkrankung ermordet wurden. Die "Wiederkehr des Rosengartens" wurde von den Künstlern Horst Hoheisl und Andreas Knitz geschaffen. Im Glasdach des Pavillons der inmitten eines Rosengarten steht, sind die Namen der Opfer von Günzburg eingeschrieben. Auch in den Einrichtungen des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg, Kloster Holzen und Maria Bildhausen erinnern Gedenkorte an die Menschen, die den nationalsozialistischen Rassenwahn mit ihrem Leben bezahlen mussten. Sabine Herget, Lehrerin an der Dominikus-Schule, ist es wichtig, die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse von damals an ihre Schülerinnen und Schüler weiterzugeben: „Die jungen Menschen sind unsere Zukunft. Wer das Gedenken daran bewahrt, kann verhindern, dass sich so etwas wiederholt.“ Auch Martin Riß, Geistlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des DRW betrachtet es als Pflicht, die Erinnerung im Denken, Reden und Handeln wachzuhalten. „Gerade in Zeiten, in denen sich die äußeren Lebensumstände entscheidend zu verschlechtern drohen“, so Riß.

 

Petra Nelhübel

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