Danke fürs Loslassen

Zur Stiftungsgründung vor 25 Jahren

Manuel Liesenfeld, Leiter des Referats Öffentlichkeitsarbeit des DRW
Manuel Liesenfeld, Leiter des Referats Öffentlichkeitsarbeit des DRW

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist – lautet ein gut gemeinter Rat. Da­hinter steckt die Vorstel­lung: Ab hier kann es nur noch schlechter werden; vom Gipfel geht es halt bergab. Aber wann ist der Moment, aufzuhören, ge­kommen? Und: Findet man ausgerechnet an diesem Punkt die Kraft, loszulas­sen? Es gibt viele Beispiele von Menschen, die den Ab­sprung zur rechten Zeit nicht geschafft haben und den guten Zeiten ewig hin­terherlaufen.

Den richtigen Zeitpunkt, das eigene Lebenswerk sowohl materiell als auch ideell in die Zukunft zu führen, ha­ben die Schwestern der St. Josefskongregation vor 25 Jahren für sich gesehen, und sie haben gehandelt. Damals haben sie entschie­den, das Erbe, das sie von Dominikus Ringeisen vor gut einem Jahrhundert übernommen hatten, abzu­geben, daraus eine Stiftung zu machen, die selbststän­dig – aber in ihrem Sinne – weiterarbeitet. Es zeigt den Mut der Schwestern, dass sie sich eingestanden ha­ben, dass der Zeitpunkt des Loslassens gekommen war. Sie haben sich nichts mehr vorgemacht. Sie haben – wie es die heutige General­oberin Sr. Katharina Wilde­nauer ausdrückt – Schwä­che eingestanden – vorein­ander und vor der Öffent­lichkeit.

Diese Entscheidung ist lan­ge gereift, war in Teilen schmerzhaft und fiel den Beteiligten nicht leicht. Ver­gleichbar ist es vielleicht mit einem Kind, das, groß geworden, auszieht, aber weiterhin begleitet wird von der elterlichen Sorge und ihrer Sehnsucht nach Ge­meinschaft. Gerade deshalb ist das Loslassen Gewinn gewesen für die Schwes­tern. Ihr Eingeständnis der Schwäche war in Wahrheit Ausdruck der Stärke. Denn nur so konnten sie ihr stol­zes Lebenswerk rechtzeitig übergeben. Sie taten es für die Menschen mit Behinde­rung, denen sie ihr Leben gewidmet hatten, und für Generationen von Mitarbei­tenden, denen die Tür ins Dominikus-Ringeisen-Werk offenstand, und die sich heute in den vielfältigen Berufen bei einem der größten Sozialträger Bay­erns engagieren.

Das ist alles möglich gewor­den durch die Entschei­dung, abzugeben, als es noch ging. Eine Entschei­dung mit großer Tragweite. Für mich eine beeindru-ckende Leistung der Schwes-tern und ein wahrer Grund, 25 Jahre Stiftung zu feiern. Und: Stoff zum Nachdenken, wie ich es persönlich halte mit dem Abgeben in mei­nem privaten wie berufli­chen Bereich. An was hänge ich sosehr, das es mich bin­det und mein oder das Wei­terkommen einer Gruppe hemmt? Wo kann, wo sollte ich loslassen, damit Neues entstehen kann?

Danke für dieses mutige Vorbild und Glückwunsch an die Schwestern der St. Josefskongregation!

Manuel Liesenfeld
Leiter Referat Öffentlichkeitsarbeit

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