Es ist wie ein Nachhause kommen

Thomas Kohler: Seelsorge mit Schweißbrenner und Geige

Datum: 29. Januar 2026, 14:57 Uhr
Thomas Kohler (r.) mit seinem Vorgänger Peter Betscher

Ursberg / 29. Januar 2026 - Thomas Kohler hat zum 1. Januar die Leitung der Stabstelle Seelsorge, Ethik und Pastoral im Dominikus-Ringeisen-Werk übernommen. Er beerbt damit Peter Betscher, der zum 1. März in den Vorruhestand geht. Warum sich die neue Stelle wie ein „Nachhause kommen“ anfühlt und was Schweißbrenner und Geigenbau mit Seelsorge zu tun haben, erzählt der 46-Jährige Pastoralreferent in diesem Text.

Manchmal geht jemand fort, um anzukommen. Und manchmal kommt er zurück, weil er weiß, wo er hingehört. Bei Thomas Kohler ist wohl genau das der Fall. Eigentlich sei ihm bereits zu Beginn seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger 1996 klar gewesen, dass das noch nicht das Ende seines beruflichen Werdegangs sein würde. Schuld daran war das Mindelheimer Frundsbergfest. Dort war Thomas Kohler noch zu Realschulzeiten als Teil einer Gauklertruppe aufgetreten und dort kam auch ein Teil aus Goethes Faust auf die Bühne.  „Heiße Magister, heiße Doktor gar“, hieß es dort im berühmten Monolog des Doktor Faustus, der „…ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie…“ mit „heißem Bemühn“ studiert hatte, nur um am Schluss „so klug als wie zuvor“ zu sein. „Ich war so hingerissen von dieser Idee, ein Doktor von allem Möglichen zu sein“ erinnert sich Thomas Kohler an die Faszination von damals. „Ich wollte das auch. Ich wollte lernen, Wissen sammeln, mich weiterentwickeln. Dass Wissen und Weisheit nicht zwangsweise zusammenhängen, nahm ich aber nicht wahr“, bemerkt er augenzwinkernd. So folgte nach dem Realschulabschluss zunächst die Ausbildung an der Ursberger Schule für Heilerziehungspflege. Er lernte viel und knüpfte Freundschaften, die bis heute tragen. „Das war eine schöne Zeit“, erinnert sich Thomas Kohler. „Im Wohnheim war jeden Montag Singabend mit Gitarre. Wenn wir übertrieben und es zu lange in die Nacht ging, erschien Schwester Ansgar mit verrutschter Haube und mahnte uns zur Ruhe.“ Weitere Jahre als heilpädagogische Unterrichtshilfe im DRW folgten ehe er sich in einjähriger Vorbereitung die Fachhochschulreife erwarb, um in Eichstätt Religionspädagogik zu studieren.

Mutter war Kirchenorganistin
Damit wiederum erfüllte er die Zugangsbedingungen für ein Studium der katholischen Theologie an der Universität Augsburg. „Das war schon ein Traum von mir“, gesteht Thomas Kohler. „Meine Mutter, die Organistin war, und ein Cousin von ihr, Pater Armin Sixt, der lange im DRW lebte, bereiteten Gottesdienste stets mit großer Begeisterung vor. Wenn sie Lieder aus dem Gotteslob aussuchten, nannten sie diese nicht beim Titel, sondern warfen sich nur die Liednummern zu. Als Kind hat mich diese Begeisterung für Liturgie ungemein fasziniert. Wenn ich dann eingeladen war, als Ministrant am Gottesdienst teilzunehmen, fühlte ich mich zugehörig und aufgehoben. Diese Erfahrung trug mich bis ins Erwachsenalter und führte mich schließlich zum Wunsch, selbst beruflich in der Seelsorge zu arbeiten.“

Zurück in die Seelsorge
Nach dem Studium absolvierte Thomas Kohler in Landsberg die dreijährige Ausbildung zum Pastoralreferenten. Danach war er für einige Jahre im Bischöflichen Jugendamt in Augsburg für die Ministrantenpastoral zuständig und wechselte schließlich in die Personalabteilung des Bistums. „Aber ich wollte zurück in die Seelsorge.“ Peter Betscher, dessen Nachfolge Thomas Kohler nun antritt, kennt er schon seit einem Praktikum im DRW während seines Studiums. Sein beliebtes Exerzitienangebot will er nun mit kreativen Formaten bereichern, die seinen persönlichen Stärken entsprechen: „Ich bin schon seit Kindertagen begeisterter ‚Bastler‘, baue unsere Kindermöbel selbst und binde mit meiner Tochter Bücher für selbstgeschriebene Geschichten. Mein Wunsch ist es, Kreativität und Spiritualität zusammenzubringen.“ Ein Angebot für Schweißarbeiten in Verbindung mit der Schlosserei des DRW hat er bereits im Programm 2026 untergebracht. Tagebuch schreiben und Buchbinden oder Formate im musikalischen Bereich stehen für den passionierten Geigenspieler ebenfalls auf der Liste. Auf zahlreiche Begegnungen mit Bewohnern und Mitarbeitenden freut er sich: „Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass alle Menschen, die hier leben und tätig sind, das DRW als Heimat erleben können.“

Petra Nelhübel

Beitrag teilen:

Weitere Beiträge

Lesen Sie weitere spannende Beitrage aus dem DRW