Internationale Verstärkung: Ordensschwestern aus Afrika starten Ausbildung in der Pflege

Eine Begegnung über Kontinente und Sprachbarrieren hinweg

 

Datum: 19. Januar 2026, 10:08 Uhr
Sr. Velonika (links) und Sr. Passy (rechts) an ihrem ersten Schultag mit der Generalvikarin der St. Josefskongregation, Sr. Dominika Nuiding.

Ursberg/Krumbach / 19. Januar 2026 – Leuchtend ozeanblau das Gewand mit einem zartvioletten Schleier – die beiden jungen Ordensschwestern heben sich mühelos aus der Menge ihrer Mitschülerinnen hervor. Schwester Passy Namuyania (34) besucht seit Schuljahresbeginn die Fachschule für Heilerziehungspflege in Ursberg und macht dort eine dreijährige Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Schwester Velonika Nabagulanyi (39) absolviert in der Berufsfachschule für Pflege in Krumbach die einjährige Ausbildung zur Pflegehilfskraft. Die beiden Schwestern, die dem Orden der Guten Samariterinnen aus Uganda in Afrika angehören, sind seit Februar 2023 Mitarbeiterinnen des Dominikus-Ringeisen-Werks und haben sich inzwischen soweit mit der deutschen Sprache und den Gepflogenheiten im Pflegealltag vertraut gemacht, dass das Miteinander im Schul- und Arbeitsalltag für beide Seiten ein Gewinn ist. Das war am Anfang ganz anders. 

„Als wir vor zwei Jahren hier ankamen waren wir sicher, dass wir sofort mit der Arbeit auf den Wohn- und Pflegegruppen beginnen könnten“, erzählt Schwester Passy. „Unsere Mutter Oberin, Sr. John Evangelist Mugisha, hat auf eine Einladung vom Geistlichen Direktor Martin Riß reagiert, weil unser Konvent in Uganda sich ebenso wie das Dominikus-Ringeisen-Werk, um alte, kranke und behinderte Menschen kümmert. Wo sollte der Unterschied sein?“ Der Unterschied war schockierend. In Deutschland hat alles einen Stecker und für alles braucht man eine Steckdose.

Ein Sprachkurs brachte die Wende
„Kaffeemaschine, Wasserkocher, Spül- und Waschmaschine - wir konnten nicht mal bei den Vorbereitungen für das Frühstück helfen, weil alles so anders war“, denkt Schwester Passy zurück. Dazu kamen die Sprachbarriere, die ungewohnten Temperaturen und die fremden Nahrungsmittel. Eine Zeit der Akklimatisierung, verbunden mit Sprachkursen brachte die Wende. Zuerst für die Arbeit in den Wohngruppen der Pflegeeinrichtung St. Vinzenz, wo nun die Beziehung zu Kolleginnen und Bewohnern reibungsloser verlief. Nach weiteren vertiefenden Sprachkursen ist inzwischen auch der Schulbesuch kein Problem mehr. „Ich möchte so viel wie möglich lernen, um immer besser auf die Bewohner hier in meiner Wohngruppe eingehen zu können und sie gut zu versorgen“, sagt Schwester Velonika. Sie ist bereits mit 18 Jahren zu den Barmherzigen Samariterinnen in Uganda gestoßen und war bisher mit der Ausbildung der jungen Postulantinnen beschäftigt. „Aber ich habe bereits als kleines Mädchen für die alten und kranken Bewohner in unserem Dorf Wasser von der Wasserstelle geholt und mich nützlich gemacht.“ Einmal, erinnert sie sich, wollte ihre Mutter sie schlagen, weil sie so lange nicht nach Hause kam. „Aber ich rief, dass sie mich nicht schlagen dürfe, weil ich Kinder zu versorgen hätte. In meiner Phantasie waren diese alten, alleinstehenden Menschen meine Kinder.“ 

Wir sind alle eine Familie
Für Schwester Passy, die vor ihrem Eintritt in den Orden ein betriebswirtschaftliches Studium erfolgreich abgeschlossen hat, kam der Ruf zur sozialen Arbeit erst später: „Meine Tante ist Mitglied im Rotary Club. Mit ihr ging ich eines Tages in ein Altenheim, um Spenden abzugeben und mitzuhelfen. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben und ich schloss mich den Barmherzigen Samariterinnen an.“ Ihren jeweiligen Unterricht verfolgen beide Schwestern mit größtem Interesse auch wenn manchmal etwas Verwunderung mitschwingt: „Zurzeit lernen wir über Nähe und Distanz in der Pflege“, berichtet Schwester Velonika. „Das ist sehr wichtig hier, aber bei uns in Uganda gibt es sowas nicht. Wir sind alle eine Familie.“ An eines haben sie sich beide bereits übereinstimmend gewöhnt: „Kochbananen sind ein Wohlfühlgericht wie wir es von zuhause gewöhnt sind. Aber hier ist unser Lieblingsessen Schnitzel mit Pommes frites.“

Eine Bereicherung für die St. Josefskongregation
Im Haus St. Josef in Ursberg haben sie für ihren kleinen Konvent einen eigenen Lebensbereich. Dort leben auch drei Schwestern der „Sisters of Visitation Congregation Alleppey“ aus Kerala in Indien. In Ursberg beleben die jungen Schwestern den historischen Klosterort. Gebetszeiten, Feierlichkeiten und Freizeit verbringen sie auch gemeinsam mit den Schwestern der St. Josefskongregation. Generalvikarin Schwester Dominika Nuiding: „Ich bin dankbar für die Schwestern aus dem afrikanischen und indischen Konvent. Mit ihrer Lebensfreude und ihrer Glaubensstärke bereichern sie unsere Gebets- und Lebensgemeinschaft.“

 

Petra Nelhübel

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