Ursberg / 28. Oktober 2026 – Fast 2.000 Quadratmeter Baustelle verteilt auf zwei Etagen, 33 Räume, 78 Fenster und 37 Türen – so stellt sich aktuell das alte Prämonstratenserkloster, das heutige Haus St. Josef im Zentrum von Ursberg dar. Dort, wo bisher Klassenzimmer des Ringeisen-Gymnasiums, Räume des Klostermuseums und Lagerräume für die Pfarrsakristei untergebracht waren, soll bis zum 4. Mai 2027 Platz geschaffen werden für die Bayerische Landesausstellung „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“, kuratiert und durchgeführt vom Haus der Bayerischen Geschichte. Mario Camenzuli, der bei dem gesamten Umbau für die Projektsteuerung zuständig ist, ist zuversichtlich, dass die Arbeiten gut im Zeitplan liegen. Dabei sind die Voraussetzungen, die in den historischen Räumen geschaffen werden müssen, durchaus anspruchsvoll. „Denkmalschutz, Brandschutz, Einbruchsicherheit, ein stabiles Raumklima und die Anforderungen an eine moderne Ausstellung müssen in Einklang gebracht werden mit Stuckdecken, Kreuzgewölben und den wertvollen Solnhofer Platten“, zählt Mario Camenzuli auf.
900 Jahre Bau und Umbau, Zerstörung und Wiederaufbau
Einmal mehr also wird St. Josef an die Erfordernisse der Zeit angepasst, ganz so, wie es immer wieder in den 900 Jahren seit Bestehen des Gebäudes der Fall war. Tatsächlich stammt auch lediglich der westliche Flügel des Baus noch aus dem 12. Jahrhundert. Die weiteren Teile der vierflügeligen Anlage wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zerstört und wiederaufgebaut, umgebaut und an die Ansprüche seiner Bewohner angepasst. Die Bauernkriege und Napoleons Armee hinterließen Verwüstungen, Brände und Naturkatastrophen wüteten und unbeirrt bauten die Ordensleute der Prämonstratenser als frühere Hausherren des Ortes ihre Wohn- und Wirkstätte wieder auf. Als nach der 1802 erfolgten Säkularisation Dominikus Ringeisen das Gebäude 1884 erwarb, mit der Absicht dort eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung zu eröffnen, startete er seine zuweilen ausufernde Bautätigkeit mit dem Bau des Ostflügels von St. Josef. Nur wenige Jahre später kamen ein Festsaal und ein erweiterter Küchenanbau hinzu. Zwischen den beiden Weltkriegen erfolgten weitere Umbauten und Modernisierungen. Ein elektrischer Personenaufzug, eine erweiterte Heizungsanlage und 1943 die Vergrößerung des Refektoriums erfüllten die Bedürfnisse der Bewohner. Auch die jetzigen Eingriffe stehen in dieser Tradition mit dem Unterschied, dass heute besonders sensibel vorgegangen wird und jede Veränderung den Anforderungen des Denkmalschutzes genügen muss.
Ein fließender Rundgang durch die Ausstellung
Nun liegen Vliesdecken schützend über den schönen Solnhofer Platten und dem Echtholzparkett. So manche Neuerung wird für die Besucher später kaum mehr als Eingriff wahrnehmbar sein. Durchbrüche zwischen den einzelnen Räumen ermöglichen beispielsweise einen fließenden Rundgang durch die Ausstellung. Die Besucher sollen von Raum zu Raum geführt werden, ohne dass sich die Wege unnötig kreuzen. „Dabei haben wir schon Überraschungen erlebt mit versteckten Stützmauern, die in keinem Plan verzeichnet waren, sodass ein Durchbruch an der gewünschten Stelle unmöglich war“, berichtet Mario Camenzuli. „Aber bisher haben wir für jedes Problem eine Lösung gefunden, die allen Anforderungen an Statik, Denkmalschutz und Brandschutz gerecht wird.“ Ebenso soll die gesamte Ausstellung barrierefrei zugänglich sein. Türschwellen oder Treppen werden deshalb vermieden und auch ein Zugang über den Aufzug muss gewährleistet sein.
Wertvolles und Spektakuläres
Andere Maßnahmen dienen vor allem dem Schutz der künftigen Exponate. Tageslicht soll nicht ungehindert in die Ausstellungsräume fallen. Die zum Teil rundbogigen Fenster erhalten deshalb Verdunkelungen die in der Schreinerei des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW) passgenau und einbruchsicher hergestellt werden. Überhaupt wurden aus Gründen der Nachhaltigkeit fast ausschließlich örtliche Handwerksbetriebe und die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) für die Umbaumaßnahmen beschäftigt. Für die spätere Beleuchtung werden Schienen angebracht, an denen Strahler gezielt auf einzelne Objekte ausgerichtet werden können. Hinzu kommen Trockenbauwände, um die Ausstellungsräume von den Wohnräumen der Schwestern und dem laufenden Schulbetrieb zu trennen. Für eine spektakuläre Lichtshow der vielfach preisgekrönten Künstlerin Vanessa Hafenbrädl wird die Kapelle St. Florian vorbereitet. Die befindet sich direkt gegenüber dem Südflügel von St. Josef und ist ebenfalls Teil des Ausstellungskonzepts. Hier sind es noch einmal zusätzliche 423 Quadratmeter, fit gemacht für die kommende Zeit, behutsam mit Fingerspitzengefühl und Respekt vor der Geschichte des Ortes.